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Good old Propolis is dying

Während sich die hiesige Kultur- und Bildungslandesrätin Beate Palfrader gerne mit der Förderung der Jugend im Land Tirol schmückt, geht im Innsbrucker Stadtteil Reichenau sang und klanglos die Zeit des JugendKulturcafés Propolis zu Ende. Grund genug für eine kleine Rückschau. Daniel „Düsi“ Lenz war von Anfang an dabei und plaudert für die MOLE aus der Propoliskiste.

 

An der Reichenauerstraße, gleich hinter der O-Bus-Haltestelle liegt das JugendKulturcafè Propolis. Leicht zu finden ist es auf Anhieb nicht. Rechts erhebt sich der übergroße sachlich gehaltene Kirchenbau aus den 1970erJahren, links der Eingang zur Stadtteilbücherei, dem Kindergarten, den Jungschaarräumen – das Pfarrhaus. Man muss sich schon ein paar Schritte vorwagen, vorbei am Jugendtreff Reichenau, um das Propolis zu erkennen. Am Spielplatz vorbei, der Wand entlang erspäht man hinter einer Ecke aber dann doch denn Eingang zum Propolis und wenn man mal drin ist, ist es wie ein Wohnzimmer. Ein großer Raum eröffnet sich mit einer kleinen Bar und gemütlichen Couchen, am anderen Ende die Bühne und überall im führen Türen in weitere Räume. Der große Raum ist voll vom Leben des Propolis: Bilder, Plakate, CDs, Flyer; aufgestapelte Stühle, Technikgeräte; Menschen. Es ist ein Ort an dem offensichtlich viel passiert, der Gebrauchsspuren aufweist, bestechend wandlungsfähig und voller Leben.

Das Propolis ist ein vielschichtiger Ort. Kultur und Menschen haben ihn von Beginn an zu dem gemacht was er jetzt 15 Jahre lang in der institutionalisierten Form eines Ortes war. Anfangs noch ein umgenützter Kellerraum mit einer provisorischen Bühne (Bierkisten mit 30 mm dicken Spanplatten) „und einer Bar aus Y-Tong-Ziegeln, alles selbst zusammengezimmert“, wie Düsi erzählt.

Aus diesem improvisierten Raum wurde über die Jahre mit einiger finanzieller und noch mehr personeller Unterstützung motivierter junger Kulturbegeisterter, aus dem architektonischen Wabegewebe des Kellers des Hauses der Pfarre Reichenau ein Treffpunkt, Spielort, Konzert- und Ausstellungsraum für Kunst und Kultur junger Menschen aus der Reichenau oder anderswo.

 

Von den dilettantischen Anfängen…

Richtig angefangen hatte alles Ende der 1980er Jahre mit einer Hand voll Jugendlicher vorwiegend aus dem Stadtteil Reichenau. Viele waren – wie auch Daniel Lenz – schon irgendwie in der Pfarre und dem Jugendzentrum involviert durchs Ministrieren, Chorsingen oder Jungschaargruppenleiten. Andere kamen von außerhalb. Was sie jedoch verband war die Idee, sich im kulturellen Bereich umzutun. Gesagt getan wurde erst einmal mit kleinen Lesungen begonnen bei denen selbst- und fremdgeschriebenes im kleinen Rahmen in einem der Räume des Pfarrhauses gegenseitig vorgetragen wurde. Und da sowieso jeder entweder in irgendeiner Band gespielt hat oder zumindest jemanden kannte der dies tat wurden bald auch einige Konzerte mit lokalen Bands veranstaltet. „Die Kulturgruppe bestand zu dieser Zeit aus ein paar Leuten zwischen 17 und 22 Jahren die verschiedene Sachen organisiert haben. Es war ein loser Haufen, alles ehrenamtlich und nicht geleitet, dadurch war es zwar einerseits etwas chaotisch aber andererseits war das wieder gut weil es ist was passiert, nicht zu oft, ein paar Mal im Jahr eben.“, erzählt Daniel Lenz aus den Anfangszeiten. Und da hat dann das mit dem Keller und der improvisierten Bühne und Bar angefangen. Das rege kulturelle Treiben der Kulturgruppe hat auch den Hausherren der Pfarre Reichenau gefallen und anfang der 1990er-Jahre wurde dann das erste große Projekt durchgezogen und erstmals eine ganze Woche Kultur veranstaltet und selbst geschaffen. Aus dieser Zeit stammt auch die stadtbekannte „Toilet-Times“, ein DinA4-starkes Scherzpapier aus dem Hause Propolis.

 

1994 bekam die Kulturgruppe dann ein paar Räumlichkeiten im Keller zugesprochen und drei Jahre später wurde vom Dekanat ein vollständiger Umbau sowie die Finanzierung einer Arbeitsstelle für die Betreuung und Organisation rund um das Propolis ermöglicht. Besetzt wurde die Stelle mit Martin Muigg der dann bis 2005 für die organisatorischen Belange des Propolis zuständig war. Düsi erzählt, dass „diese Situation war nicht unumstritten war. Einige Mitglieder der damaligen Kulturgruppe zogen sich aus der neuen Situation zurück, teilweise aus Zeitgründen und teilweise weil sie mit der neuen, durch eine solche Stelle natürlich etwas hierarchischer organisierten, Ordnung nicht einverstanden waren. Es sind einfach einige hinausgewachsen aus dem ganzen.“ Zugleich kamen im Laufe der Jahre aber immer wieder neue Menschen hinzu was die Kulturgruppe bisweilen auf eine Größe von bis zu 30 Mitgliedern anwachsen ließ. Einige Jahre später wurde die Stelle von Martin Muigg dann geteilt um auch eine Ansprechpartnerin für Mädchen zu gewährleisten.

 

… bis heute….

Heute besteht das Propolis personell aus zwei halbtägig angestellten MitarbeiterInnen (einer davon ist Daniel Lenz selbst) und einer immer noch ehrenamtlich arbeitenden Kulturgruppe im Rücken. Die Mitglieder der Kulturgruppe sind zum Teil schon von Anfang an dabei, andere sind über die Jahre hinzu gekommen. Räumlich finden sich im Propolis zwei Proberäume, eine Atelier bzw. Werkstatt, ein Tonstudio, ein Fotolabor, ein DJ-Kammerl sowie einem großen Veranstaltungsraum mit Bühne und Bar.

Das Propolis hat sich bis heute seinen offenen Charakter bewahrt. Prinzipiell sind die Räume für jeden nutzbar und die Kulturgruppe sowie die beiden Angestellten des Propolis sind vor allem auch darum bemüht, den Gedanken des „Selbermachens“ zu vermitteln. Jede und jeder ist dazu eingeladen selbst Kulturveranstaltungen zu organisieren und somit das Kulturleben des Stadtteils Reichenau und der Stadt Innsbruck zu bereichern. Die Kultur soll nicht von oben vorgegeben sondern von kulturinteressierten jungen Leuten selbst bestimmt werden und entstehen können. Deshalb achten die Mitglieder des Kulturcafés Propolis auch darauf, dass der Raum nicht nur als Veranstaltungsort für Kulturveranstalter aller Art genützt wird denn der Wohnzimmercharakter mit D.I.Y.-Philosophie soll erhalten bleiben.

Daniel Lenz merkt allerdings an, „dass die Kulturgruppe die jetzt da ist, das sind alles schon Urgesteine, die sind alle noch aus Martin Muigg’s Zeiten das heisst wir haben zurzeit relativ wenig Nachwuchs. Der jüngste ist 18 Jahre alt. Wir wissen um das Problem und haben schon einiges versucht um mehr junge Leute einzubinden. Unsere ‚Ausrede’ zurzeit ist, dass die jungen Künstler mehr Akteure sind und nicht die Männer und Frauen dahinter, also die das organisieren wollen. Sie wollen schon auf der Bühne was machen aber sie kommen nicht auf die Idee, dass sie das auch selber organisieren könnten. Das geben wir schon weiter aber da wird dann oft nichts draus. Der ‚Do it yourself’-Gedanke ist noch nicht durchgedrungen.

Bei uns ist das im Grunde nichts anderes gewesen. Die ganzen Bands und Leute die da im Propolis Kultur schaffen die haben nicht einfach nur hier geprobt und sind dann wieder zur Tür hinaus sondern die haben sich gesagt, da ist eine Bühne dann veranstalten wir uns eben selber.“

 

 

….aus der Not eine Tugend machen….

2009 startete das Propolis ein neues Projekt. KOK – Kultur ohne Konsum entstand aus einer Notsituation heraus, als dem Propolis die Erlaubnis zur gewerblichen Ausschank untersagt wurde. Für Daniel war das Projekt KOK „wie eine unvorhergesehene Kursänderung, eine neue Richtung, die man ‚notlos’ nicht gesehen hätte.“ Die Idee ist einfach: Da die Aufhebung des Ausschankbetriebes den Kulturbetrieb nicht verunmöglichen sollte, können die BesucherInnen jetzt einfach ihre Getränke selbst mitbringen. KOK schafft im Propolis also einen konsumfreien bzw. konsumfreiwilligen Raum. Übermäßiger Konsum von Spirituosen und ähnlichem ist dabei nicht besonders gern gesehen, ansonsten kann aber alles mitgebracht werden und bis jetzt gab es laut Daniel auch noch keine größeren Probleme damit.

 

… und mit einem lachenden und einem weinenden Auge…

Die Zeitrechnung des Propolis geht jetzt aber mit dem Jahr 2010 zu Ende. Die Entscheidung ist gefallen. Das Pfarrhaus wird wegen Baufälligkeit abgerissen und einige Meter weiter neu gebaut. Ein Raum für das Propolis wurde nicht mehr eingeplant und die Stellen der beiden BetreuerInnen werden mit Ende des Sommers nicht mehr finanziert sein. Die (Kultur)Stadt Innsbruck verliert mit der Schließung des Propolis nicht nur einen der wenigen - vor allem für Jugendliche - niederschwellig zugänglichen Kulturräume. Auch die Gestaltungskraft der Kulturgruppe des Propolis die über die Jahre in ständiger ehrenamtlicher Form und mit einem großen Know-How in diesem Bereich das Kulturleben mitgestaltet hat, konnte sich in einem so offenen Raum wie dem Propolis besonders gut potenzieren und ausbreiten.

Daniel Lenz sieht dabei die langjährige Ehrenamtlichkeit der Mitglieder der Kulturgruppe am wenigsten gewürdigt, „dass man als Dekanat und auch als Stadt und Land die Ehrenamtlichen so außen vor lässt, also so überhaupt nicht beachtet, dass das ja eine ehrenamtliche Gruppe ist die zur Organisation von Sachen beinahe keine Hilfe benötigen weil sie so erfahren sind. Dass man da nicht sagt, dass das Know-How eigentlich erhaltenswert ist. Und da redet keine drüber, das wird einfach irgendwie verschlafen.“ Dabei würde es ja gar nicht mehr brauchen als einen offenen Raum mit gedeckten Betriebskosten alles andere – vom organisatorischen Wissen über Ideen und Motivation – ist bereits vorhanden. Doch die Entscheidungen sind jetzt gefallen und in wenigen Monaten wird das Propolis zu den letzten Kulturveranstaltungen bitten. Mit der Schließung geht für viele eine Ära zu Ende, Daniel Lenz sieht dem Ende mit einem weinenden und einem lachenden Auge entgegen. Denn die Kulturgruppe des Kulturcafé Propolis wird weiter umtriebig sein und weiterhin veranstalten nur eben ohne eigenen Raum. Man darf gespannt sein.

….zusperren.

 

 

 http://www.kulturcafepropolis.com/

 

Text: Alexandra Bröckl

Fotos: Michael Koch



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