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Aufigschtieg’n, obagfall’n, hin gwös’n. Über einen Museumsort der Friedhof heisst

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Es gibt Museen und es gibt Museen. Sowohl für die LiebhaberInnen als auch für die richtigen Muffel solcher Einrichtungen sollte jedoch spätestens nach dem Besuch des Museumfriedhofs ins Kramsach klar sein, dass es sich doch immer wieder lohnt solchen – oft genug recht verstaubten und noch öfters ziemlich abgehobenen - Orten eine wirkliche Chance zu geben.

Denn Museum ist eben doch nicht gleich Museum. Im konkreten Fall befindet sich das „Museum“ auf dem Gelände einer Steinmetz- und Goldschmiedefirma, die Ausstellungsstücke sind unerwartet lustig und auch oft nicht einordenbar und der einzige Ort an dem man wirlich zur Kasse gebeten wird ist der Automat am Schrankensystem zur hiesigen Toilette der eigentlich mehr an einen Schilift erinnert aber was solls, das hier ist ein „Museum“.

Das „Museum“ oder besser gesagt: der „Ort“ ist ein Ort und ein Mosaik in dem vieles durcheindergewürfelt und unzusammenhängend erscheint, bei näherer Betrachtung aber durchaus seine Sinnhaftigkeit entfalten kann– auch wenn diese dem Betrachter oft genug verschlossen bleibt. Soviel zum Sinn in der oberflächlichen Unsinnigkeit. Das schöne und gute daran ist, dass das dem Betrachter selbst überlassen bleibt.

Der genannte Ort ist also die Sagzahnschmiede in Kramsach im Tiroler Unterland auf dessen weitläufigem Gelände sich neben dem Schmiede- und Steinmetzbetrieb sowie der Lagerräumlichkeiten auch das Wohhaus der Familie Guggenberger befindet (in deren Besitz die Sagzahnschmiedeübrigens bereits seit über 100 Jahren ist). Und das Gelände Sagzahnschmiede ist auch der Ort dem der derzeitige Besitzer Hans Guggenberger seine ganz besondere Note verliehen hat. Womit wir zumindest dem „Museum“ schon näher kommen. Beim diesen handelt es sich um den Museumsfriedhof Kramsach, konkret um einen kleinen Garten gleich neben der Einfahrt zum Gelände der, umgeben von einigen Bäumen, die wohl skurrilsten Grabkreuze und Marterln beherbergt die man je gesehen hat.

 

Einige wenige Stufen führen durch ein kleines Häusschen, in dem eine kleine Glocke befestigt ist, in ein Gärtchen das mit schön gekiesten Wegen gestaltet wurde. Die schmalen Wege durchziehen ein Ensemble an Grabkreuzen, Marterln und Weihwasserhalter (die Vorläufer der Grabkreuze) die nur einen kleinen Auszug aus der über 700 Objekte beinhaltenden Sammlung von Hans Guggenberger repräsentieren. Die Grabkreuze und Marterln stammen allesamt aus den vergangenen zwei Jahrhunderten und was auf ihnen zu lesen ist, ist nicht nur unterhaltend sondern räumt auch mit jeder Vorstellung von der immerwährenden pietätvollen Frömmigkeit der hiesigen AlpenbewohnerInnen auf.

 

In Reimen, Wortspielen oder einfach nur kurz und bündig wird hier vom Tod der Menschen berichtet….

„Hier liegt in Süßer Ruh’,

erdrückt von einer Kuh,

Franz Xaver Mayer

daraus sieht man,

wie kurios man sterben kann.“

 

…und dies nicht ohne Witz und Ironie…

„Hier ruht mein lieber Arzt Herr Grimm

Und alle die er heilte neben ihm.“

 

… auch wenn manche Sprüche die poltical correctness der heutigen Zeit arg strapazieren.

„Hier liegt begraben

die ehrsame Jungfrau

Nothburg Kindl

Gestorben ist sie

Im siebzehnten Jahr

just als sie zu brauchen war.“

 

Nichts für schwache Nerven also, aber viel zum Schmunzeln, lachen, staunen – und unter Umständen auch zum Nachdenken?

Neben dem Humor den sie in sich tragen erzählen die Sprüche – ganz im Gegensatz zu den heutigen Grabinschriften – auch einiges über das Leben der Verstorbenen und auch wie sie „gesehen“ wurden. Etwa bei dem folgenden…

„Hier liegt Martin Krug

Der Kinder Weib und Orgel schlug.“

 

Verhältnisse die wohl in der heutigen Zeit gerade auf dem Friedhof doch eher verschwiegen worden wären. Noch dazu auf dem Grab, für Jedermann und für alle Zeiten zu lesen! Denn heute ist die Haltung Vorschrift: Über einen Toten darf nicht schlecht geredet werden! Das scheint zumindest nicht immer so gewesen zu sein.

 

Dass es den Museumsfriedhof gibt, ist dem Interesse und der Sammlerlust von Hans Guggenberger zu verdanken der bereits seit über 40 Jahren diese selten Objekte sammelt, restauriert und ausstellt. Einige sind mittlerweile auch an das renomierte Bestattungsmuseum in Wien gegangen, eine weiterer Ausstellungsort war Hamburg. Die Grabkreuze sind allesamt Fundstücke von Friedhöfen die, wenn sie Guggenberger nicht an sich genommen hätte, wohl auf dem Müll gelandet wären. Als Steinmetz und Schmied war er oft genug auf Friedhöfen unterwegs um immer wieder zu solchen Sammlerstücken zu gelangen. Inzwischen hat er einen ganzen Keller davon.

 

Sein Hobby wollte Hans Guggenberger aber nicht nur für sich behalten, also gestaltete er den Museumsfriedhof der mittlerweile über die Grenzen Tirols bekannt ist und im Jahr über 200.000 BesucherInnen anlockt. Der Eintritt zum Museumsfriedhof ist gratis und da Guggenberger nach wie vor und auch nach langjährigem Bemühen keinerlei Unterstützung für die Erhaltungskosten und die Pflege des „Friedhofs“ – sei es von der Gemeinde Kramsach oder dem Land Tirol – erhält, gibt es seit einigen Jahren einen eigenen Museumsladen in dem der kauflustige Spezies der Besucher, neben Büchern zum Museumsfriedhof, auch allerhand sonstigen Schnickschnack erwerben kann. Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Für die Toilette ist übrigens eine Hygienegebühr von € 0,50 zu entrichten. Empfohlen sei also, bei Bedarf, ein solches Geldstück für den Toilettenautomaten bereithalten.

 

Aber der Museumsfriedhof ist noch lange nicht alles. Betritt man das Gelände der Sagzahnschmiede erwarten einen nicht nur der Betrieb, der Museumsladen und der Friedhof. Gleich neben dem großen Parkplatz für die Reisegruppen befindet sich eine Art Ausstellungshaus der Sagzahnschmiede mit dazugehörigem „Musterfriedhof“ dessen Grabsteine, ganz in aktueller Form, recht wortkarg den Tod von Herren wie „Hans Muster“ oder „Hermann Muster“ verkünden. Zwischendrin ein Garten indem das sogenannte „Weltfriedeskreuz“ steht, ein aus Orgelpfeifen geformtes Kreuz welches auf einer Weltkugel tront. In einem Halbkreis herum gruppieren sich fünf Säulen die die 5 Kontinente repräsentieren sollen. WELTfrieden halt. Und eben Frieden durch MUSIK. Das Kreuz hat Hans Guggenberger zusammen mit dem deutschen Chorleiter und Fischer-Chöre-Gründer Gotthilf Fischer 2007 aufgestellt. Ein Symbol für den Wunschtraum der beiden: Frieden durch Musik.

 

Am Weltfriedenskreuz vorbei wandelt der Besucher an Stein- und Eisenskulpturen vorbei, unter Bäumen und an Büschen vorbei hin dann zum Museumsfriedhof. Alles aufgestellt, zusammengestellt, arrangiert von Hans Guggenberger dem Sammler, Aussteller, und scheinbar auch umtriebigen Ideenmensch. Ein Besuch der Sagzahnschmiede und des Museumsfriedhofs lohnt sich also allemal, ein wenig schwarzer Humor aus vergangen Zeiten gepaart mit der Athmosphäre eines Ortes der mehr ist als ein Museum – persönlicher, individueller und lustiger, weniger verstaubt, weniger abgehoben und erstaunlich lebhaft.

 

Homepage Museumsfriedhof

 



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